"Der Wernerkult" Sonderausstellung

Vom 18. Juni bis 24. Juli 2022 zeigt das Kulturhaus / Stadtmuseum Oberwesel die Sonderausstellung "Der Wernerkult" 

Führungen zur Sonderausstellung (Mechthild Sabel):

Samstag, den 25. Juni 2022, 16:00 Uhr
Sonntag, den 10. Juli 2022, 16:00 Uhr
(Die Führungen sind im Museumspreis enthalten)

(Anmeldung bitte unter: info@kulturhaus-oberwesel.de oder direkt im Kulturhaus)

Mit einer Vernissage wurde am Samstag, 18. Juni 2022, 15:00 Uhr, im Kulturhaus Oberwesel die Sonderausstellung „Der Wernerkult und das Schicksal der Oberweseler Juden“ eröffnet. Der kath. Theologe und Philosoph Prof. Dr. Alexander Lohner aus Köln hielt dazu den Eröffnungsvortrag zum Thema: Der heilige Werner – und kein Ende? Fördert oder toleriert die römisch-katholische Kirche auch heute noch judenfeindliche Narrative? Eine kritische Analyse.

Über 60 Altarbilder, Statuen und Reliquiare 

Die Ausstellung, - kuratiert von Dr. Walter Karbach, Carolin Manns und Doris Spormann, - ist vom 18. Juni bis 24. Juli 2022 im Stadtmuseum Oberwesel zu sehen. Es werden über 60 Altarbilder, Statuen, Reliquiare und Dokumente gezeigt und kommentiert. An 13 Stationen, die im Museum verteilt sind, wird das Schicksal der Oberweseler Juden als Kontrapunkt zur Verehrung des Guten Werner dargestellt.

„Wenn wir mit unserem heutigen Wissen auf die Geschichte schauen, verstehen wir vieles besser“, so Dr. Walter Karbach. „Das gilt auch für den Wernerkult. Die Ausstellung möchte dazu beitragen, - ohne anzuklagen -, die Vergangenheit zu dokumentieren und neu zu bewerten. Erfreulich war, dass zahlreiche Oberweseler Bürgerinnen und Bürger sowie das Bistum Trier die Recherchen zur Ausstellung unterstützt haben. “

Die Entstehung des Wernerkultes

Der Märtyrerkult um den „Heiligen“ Werner von Oberwesel reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück und diente nicht zuletzt der Mobilisierung von Pogromen. Die Ritualmordlüge besagt, dass ein christlicher Junge 1287 von seinen jüdischen Brotherren in Oberwesel ermordet, „geschächtet“ und bei Bacharach verscharrt worden sei. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Legende durch Wunderberichte, Wallfahrtskirchen, Prozessionen, Reliquienverehrung und künstlerische Darstellungen zu einem Lokalkult verdichtet, der bis ins 20. Jahrhundert hinein lebendig blieb.

Der Wernerkult am Mittelrhein ist heute abgeschafft dank des jahrelangen geduldigen Einsatzes von Menschen, die sich im christlich-jüdischen Dialog vor Ort engagiert haben.

Rituale, Bräuche, Lebenswelten

In über 50 Exponaten wird der in Oberwesel bis 1971 bestehende antijüdische Kult um das angebliche Ritualmordopfer Werner von Oberwesel dokumentiert und kontextualisiert. Dazu zählen Altarbilder, Statuen, Reliquiare, Bücher und Dokumente. Das wertvollste Exponat ist ein liturgischer Kelch von 1753 mit einer Ritualmorddarstellung.

Die Ausstellung steht in einem größeren Kontext gemeinsam mit dem Ausstellungsparcours in Bacharach zum Thema "Jüdisches Leben am Mittelrhein". Der Parcours hat den Obertitel „Verluste“, um damit auf den Verlust an Gemeinsamkeit (Wissenschaft, Kunst, Alltag) und Vielfalt (Rituale, Bräuche, Lebenswelten) aufmerksam zu machen, der mit der Verfolgung deutscher Juden einherging.

Alle Informationen zur Gesamtausstellung finden Sie hier: